Fallbeispiel: Anwendung der Matrix-Rhythmus-Therapie in der Handtherapie

Funktionsstörungen nach Hohlhandphlegmone OP – nach bakterieller Entzündung der Hand und sechs Operationen kommt die Änderung

Ein Fallbeispiel von Annett Böckner

Zu Beginn war die rechte Hand von Herrn M. mäßig geschwollen. Deutliche noch gerötete Narben im Innenhandbereich und im Bereich des Unterarmes waren zu sehen, teilweise noch mit geringer Krustenbildung.

Das Handgelenk war in allen Bewegungswinkeln sehr eingeschränkt und ein Faustschluss nur andeutungsweise möglich. Die Daumenopposition war auch sehr eingeschränkt, die Oppositionsgriffe nur bis D1-D3 inkomplett möglich.

Herr M. gab an, dass die Daumeninnenseite taub ist, was sich bis zum Daumenballen ausdehnte. Zweipunktdiskrimination war nicht testbar. Eine Streckung der Langfinger der rechten Hand war auch sehr eingeschränkt, Nullstellung nicht möglich, PIPS und DIPS / MCP’s Flexion möglich bis zu ca. 5cm Fingerkuppen- Hohlhand- Abstand. (D4 und D5 bis 4 cm)

Er hat auf die linke Hand umgelernt. Er hat einen Hund, mit dem er jeden Tag stundenlang spazieren geht.

Ziele:

  • Die Funktion der rechten Hand soll wieder weitestgehend hergestellt werden, so dass der Patient sie wieder im Alltag mehr einsetzten kann, vor allem zum Greifen.
  • Herr M. möchte gerne wieder mit der rechten Hand im Schützenverein die Pistole halten können.
  • Er soll in der Lage sein, wieder einen Stift halten und etwas aufschreiben zu können.

Diagnosen:

Schwerste Funktionsstörung rechte Hand und rechtes Handgelenk nach Hohlhandphlegmone. An der Hand konnte keine Verletzung beim Auftreten der Phlegmone festgestellt werden, jedoch wurden Streptokokken lokal am Fuß/ Zehe positiv getestet, hier hat der Patient wiederkehrende offene Stellen aufgrund von Polyneuropathie. Wundrevision (= gründliche Inspektion und chirurgische Versorgung einer bestehenden Wunde 5-Mal)

  • Wundverschluss mit Spalthauttransplantat (Oberschenkel)
  • Daumen Sensi-Störung
  • Polyneuropathie an den Füßen
  • COPD
  • Arterieller Hypertonus
  • schreiben, Stifthaltung kaum möglich, schreiben sehr eingeschränkt

Handtherapeutische Behandlung in der Ergotherapiepraxis

Herr M. ist seit Anfang April 2021 in unserer Praxis regelmäßig zweimal in der Woche in handtherapeutischer Behandlung. So eine Narbenbildung mit Spalthaut sieht man auch als Handtherapeut nicht alle Tage, auch dass der Patient sechs Operationen hinter sich hatte, war schockierend. Er hat großes Glück gehabt, dass nicht Teile oder sogar eine komplette Amputation seiner rechten Hand erfolgen musste.

Durch die vielen Operationen und chirurgische Wundversorgung, fehlte im Hohlhandbereich auch Gewebe, so dass eine vollständige Wiederherstellung der Funktion als aussichtslos zu sehen war. Trotzdem wollten wir natürlich mit der Handtherapie das bestmöglichste Ergebnis erzielen.

So haben wir das erste Jahr bei Herrn M. begonnen mit intensiver Narbenbehandlung mit allen üblichen ergotherapeutischen Mitteln. Dazu gehörte unter anderem die Anwendung eines Novafons, Ultraschall, Narbensticks, Unterdruckpumpe, manuelle Therapie, aktive Greifübungen und Feinmotorik-Training. Die Stifthaltung wurde auch beübt und später ein graphomotorisches Training begonnen. Der Patient bekam Übungen für zuhause gezeigt und setzte alle Tipps gerne um.

Das Bewegungsausmaß konnte damit schon gut gesteigert werden, jedoch nicht zufriedenstellend. Jetzt waren wir schon über ein Jahr am Behandeln und es schien so, als ob alles ausgereizt, keine weitere Funktionssteigerung möglich wäre.

Anwendung der Matrix-Rhythmus-Therapie in der Handtherapie

Nico Pietner behandelt die Narbe am Hand

Aber dann kam mein Kollege Nico Pietzner in Kontakt mit der Matrix-Rhythmus-Therapie über seine Dozententätigkeit an der Akademie für Handrehabilitation und brachte das Matrixmobil in die Praxis mit.

Zunächst war ich skeptisch, aber die Anwendung war einfach, ein Onlinekurs und später ein  Tagesworkshop in Köln, den wir zusammen besuchten, beantwortete unsere Fragen. Und meine Patienten empfanden die Matrix-Rhythmus-Therapie (MaRhyThe) als sehr angenehm.Bei Herrn M.  haben wir dann zweimal in der Woche regelmäßig die Matrix-Rhythmus-Therapie angewendet und nach wenigen Wochen konnten wir ein deutlich besseres Bewegungsausmaß feststellen.

Und um die Narbe herum haben wir das Matrixmobil auch eingesetzt und konnten relativ schnell eine Verbesserung des Narbengewebes sehen. Die Narben wurden geschmeidiger, ließen noch mehr Bewegung zu. Die Haut war besser durchblutet, sah zunehmend gesünder aus.

  • Das Bewegungsausmaß hat sich deutlich gesteigert, was unmittelbar mit der MaRhyThe in Verbindung gebracht werden kann.
  • Ein Faustschluss ist inzwischen zu 90 % möglich, der Patient ist in der Lage etwas mit seiner rechten Hand zu greifen, z.B. eine Flasche.
  • Eine deutliche Kraftsteigerung ist zu verzeichnen (links aktuell 39,6 und rechts 19,8 kg!) und auch die Oppositionsgriffe sind mit allen Fingern möglich. Der Oppositionsgriff von D1- zu D5 ist zu 95 % möglich.
Die Hand ist abgeschwollen. Der Patient kann wieder greifen

Zusammenfassend lässt sich sagen: Einen so großen Erfolg haben wir nach der Vorgeschichte nicht erwartet. Zwei Gründe halten wir hier für ausschlaggebend:

1.     Die Matrix-Rhythmus-Therapie entspannt das Gewebe und sorgt für Mikrozirkulation. Dabei wirkt es bis auf Zellebene, also ganz in der Tiefe.

2.     Die Therapie ist sehr sanft. Somit wird sie von den allermeisten Patienten sofort angenommen. Sie sind begeistert.

Momentan informieren wir die Ärzte in unserem Umfeld über die Matrix-Rhythmus-Therapie. Wir freuen uns schon auf die nächsten Fälle.